Wenn der Postmann zweimal klingelt …

Matt Inn Dortmund 1 – Dortmunder SV 2 ( 6,5 – 1,5 )

 

Wenn der Postmann zweimal klingelt …

… befinden wir uns im Filmgenre. Wenn aber aus der Hose eines Schachspielers piepsende Geräusche kommen und danach im Turniersaal ein munteres Tohuwabohu herrscht dann sind wir beim Schachsport und zwar mittendrin beim Duell zwischen Matt Inn Dortmund 1 und der zweiten Mannschaft des Dortmunder Sportvereins in einer Szene „wie im falschen Film“.

Denn an diesem herrlichen Frühlingstag wurde am 08.03.2015 die 9. Runde der Dortmunder Schachkreisliga gespielt. Der Tabellenerste ( Matt Inn Dortmund) durfte den Tabellendritten (DSV 2) zum Heimkampf begrüßen.

Leider mussten wir urlaubsbedingt auf unseren „Mr. 100 %“ Markus verzichten. Und auch Nenad befand sich an diesem Tag ganz weit südlich in der Republik. Damit drohte erstmals in dieser Saison ein kampfloser Punkt zu unseren Lasten. Daher wurde kurzerhand ein Aspirant der zukünftigen 2. Mannschaft von Matt Inn Dortmund für den aktiven Spielbetrieb nachgemeldet, um an Brett 8 seinen Einstand zu geben.

Der Kampfverlauf begann zunächst im wahrsten Sinne des Wortes ausgeglichen. Denn Ulf machte es mit seinem nominell stärkeren Gegner an Brett 6 genau richtig. Beide vereinbarten ein frühes Remis nach 11 Zügen.

Neuzugang David konnte an Brett 8 gleich einen beeindruckenden Einstand liefern. Denn er gewann seine Partie sehr überzeugend – auch wenn der Gegner in der entscheidenen Phase mehr als kräftig mithalf.

Plötzlich piepte es ! Bei Andreas hatte sich an Brett 7 aber kein Vogel in der Hose verflogen, sondern sein Handy machte sogar im ausgeschalteten Zustand piepsende Geräusche. Dies rief die Gegenseite verständlicherweise auf den Plan und ein munterer Dialog entwickelte sich: „Das Handy war aus.“ „Nein, das Handy war an“, ging es hin und her.

Um diesen Dialog in seiner ganzen Bandbreite verstehen zu können muss man sich zunächst einmal die ab dieser Saison geltende Fide-Regel in Artikel 11.3 b) vor Augen führen die da lautet:

“Während des Spiels ist es einem Spieler verboten, ein Mobiltelefon, ein elektronisches Kommunikationsmittel oder irgendein Gerät, welches Schachzüge vorschlagen kann, im Turnierareal bei sich zu haben. Das Turnierreglement kann jedoch zulassen, dass ein Spieler ein solches Gerät in seiner Tasche aufbewahrt, solange dieses vollständig ausgeschaltet ist. Dem Spieler ist es verboten, ohne Erlaubnis des Schiedsrichters eine Tasche, die ein solches Gerät enthält, bei sich zu haben. Wenn es offenbar ist, dass ein Spieler ein solches Gerät im Turnierareal bei sich hat, verliert er die Partie. Der Gegner gewinnt die Partie. Das Turnierreglement kann eine andere, weniger strenge Bestrafung vorsehen. Der Schiedsrichter kann von einem Spieler verlangen, dass dieser in einem abgesonderten Bereich die Untersuchung seiner Kleidung, seiner Gepäckstücke und anderer Gegenstände zulässt. Der Schiedsrichter oder eine von ihm beauftragte Person darf den Spieler untersuchen, wobei der Untersuchende das gleiche Geschlecht wie der zu Untersuchende haben muss. Verweigert ein Spieler die Erfüllung dieser Pflichten, hat der Schiedsrichter Maßnahmen gemäß Art. 12.9 zu ergreifen.”

Hintergrund dieser Regelung ist das sog. „elektronische Doping“. Während ein Computer bzw. Smartphone aus einem Hinkebein keinen Robben oder Ribery machen kann, ist es im Schach möglich durch verbotenen Einsatz von Schachprogrammen seine eigene Perfomance bezüglich der Rechenleistung zu erhöhen. Der Artikel „Beschiss auf dem stillen Örtchen“ ist zum Verstehen der Gesamtzusammenhänge hilfreich. Ebenso sollte man sich getreu dem Motto „audiatur et altera pars“ die Stellungnahme eines vermeintlichen Täters zu Gemüte führen.

Da GM Sebastian Siebrecht zudem bereits zweimal vermeintliches Opfer eines solchen Betrugs wurde, sollten sich Gegner mit schwacher Blase eventuell überlegen gleich eine Windel anzulegen, um den GM nicht an den Fersen zu haben.

Nach diesem Ausflug auf den „Tatort Toilette“ lässt sich jedenfalls eindeutig sagen, dass Andreas sicherlich keinerlei Betrugsvorsatz gehabt hat, sondern sich einzig und allein die Frage stellte: war das Handy von Andreas nun vollständig ausgeschaltet oder nicht ?

Diese Frage musste letztlich auch gar nicht mehr am grünen Tisch entschieden werden, weil Andreas – durch die vorangegangene Diskussion in seiner Schachleistung deutlich gemindert – die ausgeglichene Stellung einzügig wegwarf und der Gegnerin ein Matt in drei Zügen ermöglichte. Damit stand es nunmehr 1,5 – 1,5 Unentschieden bei noch 5 laufenden Partien.
Schach wurde danach übrigens auch noch gespielt.

 

Martin konnte an Brett 3 die unbewachte Grundreihe seines Widersachers nach dem Fehlzug  23. Se5  zu einem kurzen und bündigen Mattangriff nutzen.

Auch Mara an Brett 1 drohte im 27 Zug mit Matt. Der Gegner hätte es abwenden können, hätte dafür aber seine Dame gegen Maras Läufer tauschen müssen. Ein schlechter Tausch, der die sofortige Aufgabe rechtfertigte.

Karsten konnte an Brett 2 eine schöne Angriffspartie im sog. Vierbauernangriff der Königsindischen Verteidigung in 22 Zügen mit einem undeckbaren dreizügigen Matt krönen.

Erich hatte sich an Brett 5 eine Endspielstellung (Turm/Läufer gg Turm/Läufer mit Bauern auf beiden Seiten) erspielt in welcher er sogar mit 2 Minusbauern besser stand.

Seinen Stellungsvorteil baute er bis zum Sieg im 56. Zug sicher aus.

Mein Gegner sorgte gleich zu Beginn für Erheiterung im Spielsaal. Er hatte doch tatsächlich das Kunststück fertig gebracht, den Motor seines vor dem Spiellokal geparkten Wagens anzulassen. Zum Glück war die Tür nicht abgeschlossen und kein Autodieb in der Nähe. In der Partie selbst stotterte der Motor allerdings auch etwas und es lief nicht richtig rund für meinen Gegner. Obwohl ich schon nach 16 Zügen eine Mehrfigur mein eigen nennen durfte, dauerte die Partie noch 40 Züge. Mein Gegner hatte den Motor also nicht laufen lassen, um schnell wieder wegzukommen.

Endstand  6,5 zu 1,5 für Matt Inn Dortmund und damit zugleich gleichbedeutend mit dem vorzeitigen Aufstieg in die Dortmunder Bezirksklasse. Schönster Nebeneffekt an der spontan im Mannschaftskreis eingeleiteten Aufstiegsfeier war sicherlich, dass Andreas nun auch schon wieder über die vorangegangenen Geschehnisse lachen konnte.

 


Veröffentlicht am 15.03.2015 von Raphael Fork